Wenn aus ChatGPT-Antworten Besucher werden
Seit dem 13. Mai weist Google Analytics den Traffic, der aus KI-Assistenten kommt, in einem eigenen Kanal aus. Bisher wurde dieser Traffic in den Reports unter „Direct“ gelistet, also in derselben Kategorie wie URL-Eingaben und Bookmarks. Wer den KI-Anteil messen wollte, musste ihn aus Server-Logs und Custom-Dashboards rekonstruieren.
Was sich geändert hat
Google hat in einem Eintrag im Analytics-Hilfecenter dokumentiert, dass Sessions, die von einem erkannten KI-Assistenten kommen, jetzt automatisch dem Medium ai-assistant zugeordnet werden und in der Standard-Kanalgruppierung unter „AI Assistant“ auftauchen. Die Liste der erkannten Hosts deckt die großen Namen ab: chat.openai.com, chatgpt.com, claude.ai, gemini.google.com und einige weitere. Search Engine Land und SE Roundtable haben das Update am selben Tag bestätigt und Screenshots veröffentlicht.
Praktisch heißt das: Wer einen GA4-Account betreibt, sieht ab sofort ohne eigene Filter, wie viele Sessions ein KI-Assistent geschickt hat, wie sich diese verhalten und ob sie konvertieren. Die Trennung gilt für Sessions ab dem 13. Mai.
Was das Update praktisch ändert
Das Update macht Conversion-Attribution erstmals sauber. Wer einen Newsletter, einen Kauf oder eine Anfrage als Ziel definiert hat, kann jetzt direkt sehen, ob Menschen aus KI-Antworten zu zahlenden Kunden werden, und ob sie sich anders verhalten als Besucher aus klassischer Google-Suche. Bislang ging das nur mit aufwendigem Server-Side-Tagging.
Was du als Erstes anschauen solltest
Wenn du GA4 nutzt, lohnt sich diese Woche ein Blick auf zwei Fragen:
Erstens, wie viel Volumen macht KI-Traffic bei dir tatsächlich aus?
Zweitens, welcher KI-Assistent schickt Leute zu dir? Die Standard-Kanalgruppierung fasst alle zusammen. Wer es genauer wissen will, kann mit der Source-Dimension (chat.openai.com vs. gemini.google.com vs. claude.ai) eine eigene Ansicht erstellen.
Was offen bleibt
Zwei Punkte bleiben offen:
Die Liste der „erkannten“ KI-Assistenten ist nicht öffentlich vollständig dokumentiert. Search Engine Land und ppc.land nennen die offensichtlichen Kandidaten, aber Google hat bislang keinen offiziellen, abschließenden Katalog publiziert. Wer einen kleineren oder neueren Assistenten tracken will (Perplexity-Browser-Traffic etwa, oder Comet), muss weiter mit eigenen Source-Filtern arbeiten, solange Google die Liste nicht erweitert.
Und: Niemand weiß heute, wie stabil die Erkennungsregel ist. Wenn ChatGPT morgen seinen Outbound-Link-Mechanismus ändert oder den Referrer-Header in den Out-Klicks unterdrückt, kann ein erheblicher Teil des Traffics wieder in der „Direct“-Schublade landen, ohne dass das in den Reports auffällt.
Beides sind Argumente dafür, das neue GA4-Update als Verbesserung der Sichtbarkeit für einen Kanal, nicht als endgültige Messlösung zu lesen.
Verwandt: Die Suchleiste wird zur KI. Wie KI gerade das Such-Erlebnis neu sortiert.
Quellen: Google Analytics Help: What's new; Search Engine Land: Google Analytics adds AI Assistant channel; SE Roundtable; ppc.land.